Ein glitschiger Plan die Welt zu retten

Die gute traditionelle Seife rutscht immer mehr in den Mittelpunkt unserer Sauberkeitswelt. Dieses harte, eckige Etwas soll die Mikroplastikschleudern wie Duschgel und Shampoo ablösen. Ich mag Bäume. Ich mag unsere Meere und ja, ich mag unsere Welt. Daher werde ich diese Reinigungsmethode in unserem Haushalt integrieren. Das ist der Plan.

Die erste Maßnahme: Ich schiebe meinen langjährigen Begleiter „Abschminkgel“ vorerst weit nach hinten in den Badezimmerschrank und begutachte den Ersatz. Ein schönes weißes Stück Seife, das mich mit einem dezenten Seifen-Aroma betört. Ich drehe den Wasserhahn auf, befeuchte mein Gesicht mit lauwarmen Wasser. Nehme die Seife in die nassen Hände und schäume alles schön auf. Lege die Seife auf den Waschbeckenrand. Schwupp, rutscht sie direkt ins Waschbecken. Na komm her. Sie wehrt sich mit aller Kraft. Eine kleine glitschige Herausforderung. Jedes Mal wenn ich sie fassen will schlüpft sie aus meinen Händen und surft planlos im Waschbecken herum. Mein Plan: Ich kreise sie ein. Eine Hand kommt von rechts, die andere von links. So zwinge ich sie in die Enge. Jetzt hab ich Dich! Schwupp hüpft sie nach oben weg, kollidiert mit dem Wasserhahn und springt direkt auf den Fußboden. Über Bande quasi. Drecksstück! Ich habe jetzt echt keine Lust auf hektisches Fangenspielen im Badezimmer. Komm her du schlüpfriges kleines Scheißerchen! Ich brauche dringend einen Plan B. Also Hand auf die Seife gelegt und mit den Fingern vorsichtig umschließen. Ha. Jetzt aber. Und nun wohin damit? Mit triefenden Fingern entnehme ich aus der Kleenex-Verpackung ein Tuch. Lege es auf den Waschbeckenrand und lege die Seife darauf. Da gehörst du hin, du kleines Monster. Dann machen wir mal weiter mit unserem Plan. Jetzt endlich das Gesicht reinigen. Nur leider kein Seifenschaum mehr an meinen Händen. Da muss ich erst nochmal nachlegen. OK. Also noch einmal von vorne. Ich nehme die Seife und habe das Kleenex auch gleich mit dabei. Denn, das Tuch klebt wie Pech an der Seife. Als ich es mit den Fingern abziehen will bleibt das Kleenex auch an diesen kleben. Ich fasse es nicht. Komme mir vor wie in einer Comedy Show. Vorsichtig versuche ich es von den Fingern zu lösen. Da reißt es. Jetzt klebt ein Teil an der Seife und der andere an meinen Fingern. Durchatmen. Einfach nur atmen. Ich lasse die Seife ins Waschbecken fallen. Trockne mir die Hände. Kurze Überlegungspause. So funktioniert das irgendwie nicht. In meiner Erinnerung wandere ich kurz in meine Kindheit zurück. Wie war das damals noch? Stimmt, wir hatten eine Seifenschale. Bereits nach dem ersten Mal ablegen hinterließ das Reinigungsstück einen völlig ekeligen Seifen-Schleimfilm der in jeder noch so mini kleinen Ritze fest saß. Wenn diese Mischung aus Wasser und Seifenschaum dann auch noch angetrocknet ist, wurde es echt richtig ekelig. Ich glaube diese Lösung will ich nicht.

Aber wir sind ja nicht mehr in den 80gern sondern im umweltbewussten 2021. Heute gibt es gehäkelte Bio-Baumwollsäckchen in denen die Seife gesteckt wird. Entweder für den Transport, zum Trocknen aufgehängt oder mit dem Beutel als Hautpeeling unter der Dusche einsetzbar. Leider gibt es auch hier einige Nachteile. Erstens: wenn du die nasse Seife hineinrutschen lässt um sie trocknen zu lassen, trocknet sie auch an dem Beutel fest. Ein leichtes Rupfen lässt sich bei dem nächsten Einsatz nicht vermeiden. Ist aber ein kleines Übel. Zweitens: Der Beutel muss irgendwo hängend gelagert werden. Und ggf. sollte man auch bedenken, dass dieses Seifenlaugenzeug da raustropft. Folge ist eine große Sauerei. Drittens: Das Säckchen sollte regelmäßig ausgespült werden. Am besten sogar abgekocht. Damit sich keine Bakterien festsetzten und das Netz nicht gleich bei der kleinsten Berührung in eine Bakterienschleuder mutiert.

So. Was mach ich jetzt? Irgendwie war das mit dem Spender und der flüssigen Seife einfacher. Als ich Kind war haben wir das ja auch irgendwie hin bekommen. Ungefähr 4.500 Jahre hat die Menschheit mit Seife im Stück gelebt und auch überlebt. Deshalb: Nicht aufgeben ist die Devise. Der Weltmeere und der Umwelt zuliebe. Also Seife nach Gebrauch in das Säckchen gesteckt. Neue Saughaken für die Duschwand gekauft und da hängt das Beutelchen jetzt. Interessant wird es, wenn die Seife auch andere Produkte ablöst: Shampoo, Conditioner, sein Duschgel und mein Duschgel. Behält man dann noch die Übersicht und weiß was was ist? Vielleicht sollte ich eine kleine Holzgarderobe nehmen und dort auf jeden Haken den geplanten Einsatz drauf schreiben? Wie wird das erst, wenn die Seife andere Reinigungsdinge verdrängt? Glasreiniger, Bodenreiniger, Geschirrspülmittel, Normalreiniger, WC-Reiniger, und vieles mehr. Die Zukunft der Reinigung und Sauberkeit wird spannend werden. Aber ja, ich mag Bäume. Ich mag unsere Meere und ich mag unsere Welt. Daher stehe ich der Sache offen gegenüber. Auch wenn der Weg dahin manchmal etwas glitschig ist. 

© by Marita Matschiner

2 Gedanken zu „Ein glitschiger Plan die Welt zu retten

  1. OK sagt:

    Kann mich dran erinnern das es für dir Waschbecken auch Schälchen gab. Mittlerweise vielleicht Spülmaschinentauglich?

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