Haarchaos Reloaded

Son Shitt - was fürn Schnitt!

Mütze drauf und gut ist – pic by Achim Matschiner

Son Shitt – was fürn Schnitt. Stimmt nicht ganz: der Schnitt ist es nicht. Oder besser gesagt, nur bedingt. Auf jeden Fall ist mir das seit zirka 30 Jahren nicht mehr passiert. Und ich habe nicht damit gerechnet, dass es mir überhaupt wieder passiert. Dieser Blog ist übrigens die Fortsetzung zu dem Blog „Haarchaos“. Noch vor zwei Wochen dachte ich, eine Fortsetzung hierzu wird es nicht geben. Habe mich wohl geirrt. Und wenn ich jetzt so drüber nachdenke, könnte es leicht passieren, dass es auch eine Episode drei und vier geben wird. 😉 Warum auch nicht. Hat bei Rocky, Rambo, und Co. funktioniert, warum nicht auch bei mir!? Aber ich fange besser mal von vorne an.

Vor einer Woche waren meine Standard-Vier-Wochen um. Ich schlug wieder bei meiner Friseurin zum Kürzen der Haarpracht auf. Die übliche Frage kam: was wir denn heute so machen wollen? Ich liebe diese dritte Person – diese Royal-Plural-Nummer. Denn ich mache beim Friseur gar nix. Sitze nur da und gucke, was der Mensch da so mit meinen Haaren tut. Bevorzugt mit einem Gläschen Prosecco in der Hand. Ich zückte mein Handy und zeigte wieder einmal ein typisches Bild aus dem Internet, was ich mir so vorgestellt hatte. Die Friseurin erschrak: „Bist Du sicher? Das ist aber echt radikal für Dich! Und wird zu hart sein!“ Ich nickte voller Überzeugung. Denn das war die tollste und beste Idee ever. Ja, so kurz sollten sie werden und ja, so wollte ich nachher aussehen. Grinsend mit roten Wangen (bedingt durch den Prosecco) freute ich mich schon auf den geringen Zeitaufwand für die Frise morgens im Bad.

Es machte Schnipp-Schnapp und Schnapp-Schnipp. Ein bisschen hier – ein bisschen dort.
Noch einmal mit dem Kamm und im Nacken mit dem Rasiermesser. Sie pinselte mich mit diesem wunderbaren Kuschelpinsel ab und nahm den Umhang weg. Noch ein bisschen Haarschaum in die Haare, dann kamen der Fön und die Skelettbürste zum Einsatz. Ein bisschen Volumen hier. Ein bisschen Zurück geföhnt dort. Fön aus. Haarspray rein, beim Rumzupfen drüber, drunter und rundherum. Traraaahhhhh – fertig!

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pic by Daniela St.

Ich schaue in den Spiegel. Ich schlucke. Ups. Ich schlucke noch einmal. Zweites Ups. Ähhh…. Moment mal…. Das hat doch so gar keine Ähnlichkeit mit … Ähhhmmm! Ich muß nochmal auf mein Handy schauen. Die Friseurin lächelt mich an und drückt mir den kleinen Spiegel in die Hand: „Zupf doch mal selber und schau es Dir von Hinten an. Der Hinterkopf ist total super geworden.“

Ich lächle, zahle und schlurfe mit hängendem Kopf nach Hause. So hab ich es mir wirklich nicht vorgestellt. Aber es ist eh abends und dunkel. In spätestens zwei Stunden bin ich sowieso im Bubuland. Dort dürfen die Haare sich in den 8-10 Stunden Schlaf in alle Richtungen biegen, dehnen, strecken. Am nächsten Morgen werden sie gewaschen und dann mache ich das so, wie ich das immer mache. Das wird schon. Das kriege ich hin. Alles gut. Lag bestimmt am Prosecco.

Mein Mann war begeistert und verstand das ganze Theater nicht. Trotzdem, der nächster Morgen. Darauffolgender Morgen. Und der Dritte in Folge. Ich fand keinen Draht zu den Haaren bzw. zu der Frisur. Es sah irgendwie immer komisch aus. Und ich fühlte mich auch komisch. Unpassend, unausgeglichen, völliges Unwohlsein. Tatsächlich schoss mir der kindische Gedanke ‚einfach Daheim bleiben‘ durch den Kopf. Am Besten vier Wochen am Stück. Homeoffice. Keinen treffen. Den Mann zum Einkaufen schicken. Und zum Laufen einfach Mütze drauf, denn dem Hund ist es ja egal – hoffe ich. Kurzes Innehalten. Denn bei den Gedanken erschrecke ich mich vor mir selber:

Hallo, Ich! Ticke ich noch ganz richtig? Bin ich Irre? Ich stehe doch mit beiden Beinen im Leben! Selbstbewusst! Überzeugt von mir und meinem Leben! Ich weiß wer ich bin! Umhauen kann mich nichts so schnell! Bis – tja – bis auf zwei bis vier Zentimeter kürzeres Haar. Ein Wunschbild einer Frisur, zu der ich ohne nachträgliche Hilfe und Zeit meiner Friseurin niemals einen Draht gefunden hätte. Einfach mal auf den Profi hören: „Zu extrem! Zu kurz! Zu hart für Dich!“ Das waren ihre Worte. Ich wollte nicht hören. Ich habe den Wunsch geäußert. Jetzt bitte keine Beschwerden! Wächst ja wieder!

Am vierten Morgen, der nächste Morgen nach der Standpauke mit meiner eigenen Eitelkeit und meinem Ich, klappt es wieder. Ich fühl mich wieder wohl. Ich gehe keinem Spiegel mehr aus dem Weg. Trage mein Haupt wieder hoch erhoben. Aber ein bisschen schäme ich mich trotzdem. Wegen dieser emotionalen Abhängigkeit einer Frise. Aber auch für den doch wiederkehrenden Wunsch. Den, den ich vor über 30 Jahren immer und immer wieder gebetet habe: gibt es immer noch kein Mittel, dass die Haare schneller wachsen lässt?

© by Marita Matschiner

Kopfschütteln

keine Details

Keine Details!

Montagmorgen im Büro. Meine Einstellung: neue Woche, neues Glück, neue Erfolge. Meine positive Haltung wird beim ersten Besuch der Toilette bzw. dem dazugehörigen Händewaschen schon einmal gegen die Wand gefahren.

Nach dem Händewaschen drehe ich mich zur Seite. Greife nach den Tüchern im Handtuchspender. Ich ziehe. Nichts passiert. Ich ziehe noch einmal. Das erste Tuch hängt noch im Spender – bis auf einen Schnipsel. Der ist in meiner Hand. Ich greife wieder zu und erhalte das nächste Papierstück. Vom ganzen Blatt keine Spur. Beim dritten Versuch greife ich beherzt in die untere Öffnung und erhalte – ÄTSCH – viele Stücke. Dieses Mal gleich von mehreren Tüchern. Aber keines ist vollständig. Super. Jetzt habe ich die Wahl! Entweder mit fünf Schnipseln – die natürlich mini sind – meine Hände so weit es geht zu trocknen oder noch einmal ziehen. Egal, einen Versuch habe ich noch! Wow. Jetzt habe ich zirka sieben zerrissene Papiertücher in der Hand. Aber immerhin: keine Schnipsel mehr! Diese bringen mich meinem Ziel trockene Hände leider nur bedingt näher. Was für eine Verschwendung! Ich schüttle den Kopf.

Damit meinen Kollegen und mir das bei dem nächsten Besuch nicht wieder passiert, öffne ich den Handtuchspender und möchte ein paar von den Tüchern herausnehmen. Jetzt wird mir klar warum es so schwierig ist, einzelne Tücher heraus zu bekommen: der Spender bis zum Anschlag mit Handtüchern vollgestopft. Und ich meine wirklich GESTOPFT! Da passt kein Minzblättchen mehr dazwischen! Der Druck in dem Handtuchspender ist so groß, dass gar keine Chance besteht ein heiles Tuch heraus zu bekommen.

Ich nehme also einen großen Schwung. Lege sie neben das Waschbecken und hoffe, die unnötige Verschwendung hat sich damit erledigt. Ich ärgere mich trotzdem. Nicht nur dass der Mülleimer jeden Tag mit zerrissenen und unbenutzten Papierhandtüchern überfüllt ist. Nein, auch die Umwelt wird unnötig belastet. Und irgendeine Person investiert offensichtlich viel Zeit, den Spender bis zum Bersten zu füllen. Geld wird auch gleich zum Fenster hinaus geworfen. Könnte man auch gleich anzünden. 

Nächster Tag. Gleiche Situation. Der Handtuchspender ist bis unters Dach aufgefüllt. Keine Chance auf eine vernünftige und heile Entnahme eines oder gar zwei Handtüchern. Der von mir am Vortag abgelegte Stapel ist natürlich verschwunden! Auch jetzt wage ich es, einen großen Schwung Handtücher neben das Waschbecken zu legen und ggf. den Unmut der Reinigungsfirma auf mich zu ziehen. Ich verstehe dieses Vorgehen nicht und verlasse den Raum. Kopfschüttelnd.

Es entwickelt sich zu einer Tradition. Ich entnehme jeden Morgen ein Schwung Handtücher und lege sie neben das Waschbecken. Spende ein Kopfschütteln. Die Putzfirma füllt den Spender in der Nacht bis zum Anschlag auf.

Eines Tages wird es mir zu viel. Ich schreibe einen Zettel in gut lesbaren Buchstaben. Ich klebe mein Anliegen, formuliert als Bitte (um nicht als besserwisserische, kleinkarierte Zicke dazustehen), kurzerhand auf den Handtuchspender.

Frohlockend gehe ich am nächsten Morgen zur Toilette und sehe: nichts! Der Zettel wurde entfernt. Die Handtücher neben dem Waschbecken ebenfalls. Wie es aussieht ist der Spender mit vielen Tüchern frisch aufgefüllt. Natürlich rappelvoll. Ich verstehe es nicht. Einzige Reaktion: Kopfschütteln.

Tief durchatmen. Nicht aufregen. Das Spiel geht weiter. Eine Kollegin übernimmt den „Job“ während ich im Urlaub bin. Wir führen dieses Absurdum weiter. Jeden Morgen. Bis zu diesem einen Morgen. Da ist plötzlich alles anders.

Die Reinigungsfirma hat mir und meiner Kollegin quasi die Arschkarte gezeigt:
es wurde einfach der Schlüssel vom Handtuchspender abgezogen!

Diese Dummheit. Diese Kurzsichtigkeit. Diese unnütze Verschwendung. Diese Ignoranz. Ich nehme es hin. Kann es nicht glauben. Ich schüttel einfach nur den Kopf. Rechts – links – rechts – links!

Es geht auch anders:

es geht auch so!

Lieblings-Damen-Büro-Waschraum

© by Marita Matschiner