Kopfschütteln

keine Details

Keine Details!

Montagmorgen im Büro. Meine Einstellung: neue Woche, neues Glück, neue Erfolge. Meine positive Haltung wird beim ersten Besuch der Toilette bzw. dem dazugehörigen Händewaschen schon einmal gegen die Wand gefahren.

Nach dem Händewaschen drehe ich mich zur Seite. Greife nach den Tüchern im Handtuchspender. Ich ziehe. Nichts passiert. Ich ziehe noch einmal. Das erste Tuch hängt noch im Spender – bis auf einen Schnipsel. Der ist in meiner Hand. Ich greife wieder zu und erhalte das nächste Papierstück. Vom ganzen Blatt keine Spur. Beim dritten Versuch greife ich beherzt in die untere Öffnung und erhalte – ÄTSCH – viele Stücke. Dieses Mal gleich von mehreren Tüchern. Aber keines ist vollständig. Super. Jetzt habe ich die Wahl! Entweder mit fünf Schnipseln – die natürlich mini sind – meine Hände so weit es geht zu trocknen oder noch einmal ziehen. Egal, einen Versuch habe ich noch! Wow. Jetzt habe ich zirka sieben zerrissene Papiertücher in der Hand. Aber immerhin: keine Schnipsel mehr! Diese bringen mich meinem Ziel trockene Hände leider nur bedingt näher. Was für eine Verschwendung! Ich schüttle den Kopf.

Damit meinen Kollegen und mir das bei dem nächsten Besuch nicht wieder passiert, öffne ich den Handtuchspender und möchte ein paar von den Tüchern herausnehmen. Jetzt wird mir klar warum es so schwierig ist, einzelne Tücher heraus zu bekommen: der Spender bis zum Anschlag mit Handtüchern vollgestopft. Und ich meine wirklich GESTOPFT! Da passt kein Minzblättchen mehr dazwischen! Der Druck in dem Handtuchspender ist so groß, dass gar keine Chance besteht ein heiles Tuch heraus zu bekommen.

Ich nehme also einen großen Schwung. Lege sie neben das Waschbecken und hoffe, die unnötige Verschwendung hat sich damit erledigt. Ich ärgere mich trotzdem. Nicht nur dass der Mülleimer jeden Tag mit zerrissenen und unbenutzten Papierhandtüchern überfüllt ist. Nein, auch die Umwelt wird unnötig belastet. Und irgendeine Person investiert offensichtlich viel Zeit, den Spender bis zum Bersten zu füllen. Geld wird auch gleich zum Fenster hinaus geworfen. Könnte man auch gleich anzünden. 

Nächster Tag. Gleiche Situation. Der Handtuchspender ist bis unters Dach aufgefüllt. Keine Chance auf eine vernünftige und heile Entnahme eines oder gar zwei Handtüchern. Der von mir am Vortag abgelegte Stapel ist natürlich verschwunden! Auch jetzt wage ich es, einen großen Schwung Handtücher neben das Waschbecken zu legen und ggf. den Unmut der Reinigungsfirma auf mich zu ziehen. Ich verstehe dieses Vorgehen nicht und verlasse den Raum. Kopfschüttelnd.

Es entwickelt sich zu einer Tradition. Ich entnehme jeden Morgen ein Schwung Handtücher und lege sie neben das Waschbecken. Spende ein Kopfschütteln. Die Putzfirma füllt den Spender in der Nacht bis zum Anschlag auf.

Eines Tages wird es mir zu viel. Ich schreibe einen Zettel in gut lesbaren Buchstaben. Ich klebe mein Anliegen, formuliert als Bitte (um nicht als besserwisserische, kleinkarierte Zicke dazustehen), kurzerhand auf den Handtuchspender.

Frohlockend gehe ich am nächsten Morgen zur Toilette und sehe: nichts! Der Zettel wurde entfernt. Die Handtücher neben dem Waschbecken ebenfalls. Wie es aussieht ist der Spender mit vielen Tüchern frisch aufgefüllt. Natürlich rappelvoll. Ich verstehe es nicht. Einzige Reaktion: Kopfschütteln.

Tief durchatmen. Nicht aufregen. Das Spiel geht weiter. Eine Kollegin übernimmt den „Job“ während ich im Urlaub bin. Wir führen dieses Absurdum weiter. Jeden Morgen. Bis zu diesem einen Morgen. Da ist plötzlich alles anders.

Die Reinigungsfirma hat mir und meiner Kollegin quasi die Arschkarte gezeigt:
es wurde einfach der Schlüssel vom Handtuchspender abgezogen!

Diese Dummheit. Diese Kurzsichtigkeit. Diese unnütze Verschwendung. Diese Ignoranz. Ich nehme es hin. Kann es nicht glauben. Ich schüttel einfach nur den Kopf. Rechts – links – rechts – links!

Es geht auch anders:

es geht auch so!

Lieblings-Damen-Büro-Waschraum

© by Marita Matschiner

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