Mein Parkplatz. Mein Stromanschluss. Mein Stein. (Teil 3 Binsen-Land)

Zimmer mit Aussicht – pic by Achim Matschiner

Bella Italia! Genau das trifft es. Ich freue mich jedes Mal auf dieses fantastische Land. Es hat alles zu bieten, was ich benötige. Sonne, Pasta, Vino und Schuhgeschäfte. Im Idealfall auch Strand und Meer. Unser Ziel der dritten Etappe kennen wir in- und auswendig. Dort gibt es viel Strand und viel Meer. Grado. Eine zuckersüße kleine Insel in der Nähe von Triest. Schon die Fahrt ist beeindruckend. Über eine Brücke vorbei an den ersten Fischer- und Segelbooten. Alle Fenster runtergefahren und erst mal kräftig durchatmen. Es riecht nach Salzwasser. Nach Fisch. Nach Abenteuer. Vor allem für uns. Der erste Grado-Urlaub ohne gebuchtes Apartment. Ohne Garten und ohne Pool. Das erste Mal ohne den Luxus einer Küche. Ohne Badezimmer mit der selbstverständlichen Dusche und Toilette. Das erste Mal mit und in unserem umgebauten VW Bus „Eda“.

Orientieren müssen wir uns nicht. Nach regelmäßigen Aufenthalten in den letzten 12 Jahren, sind wir mit der Umgebung vertraut. Der Weg führt direkt zu einem öffentlichen Wohnmobilparkplatz. Es gibt zwei Auswahlmöglichkeiten. Der eine Stellplatz ist supernah am Strand, aber ohne alles. Kostet dafür nur 6 € pro Tag. Der Zweite liegt direkt dahinter. Dieser kostet zwar etwas mehr, bietet dafür aber auch Stromanschluss, Frischwasser und Entsorgungsmöglichkeit der Chemietoilette. Die haben wir zwar nicht, aber den Strom nehmen wir dankbar an. Wir finden den für uns perfekten Platz: direkt am Rand mit einer riesen Rasenfläche. Eine große Hecke am Kanal schirmt uns zur angrenzenden Straße ab. Zwei ausgewachsene Bäume spenden uns Schatten und sind ideal, um unsere Solardusche aufzuhängen. Der Supermarkt ist nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Der Strand ungefähr zehn. Und das Schönste an allem: der Stellplatz ist ziemlich leer und der nächste Wagen steht weit weg. Wir sind quasi alleine. Meine Gedanken überschlagen sich: wir stehen mit Eda auf einem Betonparkplatz für zirka 100 Wohnmobile. Mit nichts weiter als einem Stromanschluss. Und hier wollen wir ein paar Tage Urlaub machen? Habe ich mir das wirklich so vorgestellt? War das der Plan, dem ich zugestimmt habe? Anscheinend. Muss wohl geistig nicht ganz auf der Höhe gewesen sein. Jetzt aber die Gedanken ausblenden und die Arschbacken zusammenkneifen. Auspacken, aufstellen, einrichten und wohlfühlen. Wir sind ja in der Zwischenzeit ein gut eingespieltes Team. Haben aus den ersten Lektionen zu Organisation und Logistik gelernt. Jetzt das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren: ein paar Tage abschalten. Lecker Essen. Entspannen. Ruhe im Dolce-Vita-Land.

Nach dem ersten Lebensmittel-Shopping, lassen wir es uns beim Sonnenuntergang mit Oliven, Tomaten, Käse und Brot gut gehen. Bei warmen Temperaturen, ohne Pilgerreisende (Teil 2 vom Binsen-Land) um uns rum. Dafür haben wir dieses Mal andere Action: Mücken. Mein lieber Herr Gesangsverein. Trotz mitgebrachtem Anti-Mücken-Zeug lassen sie uns nicht in Ruhe. Am Abend habe ich die ersten, wie verrückt juckenden Mückenstiche. Ebenso mein Mann. Nur der Hund ist verschont geblieben. Mein Allheilmittel Ouzo (zur inneren und äußeren Anwendung) versagt leider kläglich. Ich verbringe die erste Nacht mit kratzen oder eher mit der Konzentration es NICHT zu tun und einem Surri. „Morgen ist alles wieder gut!“ rede bzw. lalle ich mir ein. Meine Vorfreude auf einen morgendlichen Kaffee im Sonnenaufgang lässt mich die Nacht überstehen.

Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass sich leider nicht alle an meinen Plan halten. Die Mücken sehen die Sache irgendwie anders. Denn im Sonnenaufgang sind die fliegenden Kerlchen lebensfroh und wollen nichts Anderes als Frühstücken. Und da wir wohl die einzigen wachen Menschen auf ganz Grado sind, kommen alle Grado-Mücken zu uns. Sie verzichten darauf, uns einen guten Morgen zu wünschen und starten direkt mit ihrem Frühstück. Ich flüchte in Eda und knalle die Tür hinter mir zu. Den Start in den Tag habe ich mir wirklich anders vorgestellt. Während meiner Schmollphase verabschiedet sich der Sonnenaufgang und ebenso die Mücken. Dafür kommt der neue Nachbar. Ein riiiesen Wohnmobil parkt genau auf dem übernächsten Stellplatz. Bitte jetzt kurz innehalten und sich an den vorletzten Absatz erinnern: der Parkplatz ist ziemlich leer und riesig. Er parkt aber genau bei uns!

Ich gebe der Vernunft nach und komme wieder hervorgekrochen. Mein Mann geht erst einmal mit dem Hund Gassi und lässt mich mit einem Kaffee, zum wach werden, alleine. Nach dem ersten Becher meldet sich mein Darm. Shit. Keine Zeit zur nächsten öffentlichen Toilette zu rennen. Muss jetzt ganz schnell gehen. Da kommt Pippilotta an den Start. Unsere kleine transportable Toilette mit Deckel. Ein bisschen klein, aber in so einer Situation ist mir das scheißegal. Sie hat eine Mülltüte, gefüllt mit Katzenstreu, als Innenleben. So kann man nach seinem Geschäft die Tüte einfach aus der Eimertoilette nehmen und in dem Normalmüll entsorgen. Praktisch. Umweltfreundlich. Sauber. Nur wo stelle ich sie hin? Klar, wir sind ziemlich einsam. Aber Fußgänger kommen trotzdem gelegentlich an unserem Grundstück vorbei. Mal von dem neuen Nachbarn ganz abgesehen. Lösung: Pippilotta darf mit in den Wohn-/Schlafraum von Eda. Während Pippilotta und ich unsere erste nähere Bekanntschaft machen, kommt durch die Hecke ein älteres Paar. War ja klar. Schwupp, den Schlafsack über die Beine gezogen und Kaffeebecher in die Hand genommen. Ich hoffe, ich sehe einfach nur wie eine erwachende Camperin mit Kaffeebecher aus. Jetzt nur keine üblen Geräusche machen. Die beiden grüßen freundlich und ich nicke lächelnd und still zurück. Ich wirke wohl genau wie eine Camperin mit Kaffeebecher in der Hand. Puh, Glück gehabt. Pippilotta hat eindeutig ihre Daseinsberechtigung in Eda unter Beweis gestellt. Trotz Schmunzler von manchen Freunden und Nachbarn bei der Erzählung der Anschaffung. Jetzt wird sie zum Standardinventar befördert. Hat immerhin meinen Arsch gerettet.

In der Zwischenzeit packen unsere neuen österreichischen Nachbarn, Gernot und Siegried, aus. Als die riesige Kofferraumtür nach oben aufgeht, traue ich meinen Augen nicht. Gernot hat seine eigene Werkstatt dabei! Tim Allen aus „Hör mal wer da hämmert!“ wäre neidisch. Alles hängt ordentlich an seinem Platz. Nach Größe und Werkzeugart sortiert. Schmunzler für uns (und der liebe Gott meint es gut mit uns): Gernot ist nicht groß genug um an den Griff vom geöffneten Kofferraumdeckel zu kommen. Er muss hochhüpfen und gleichzeitig versuchen, ein eigens dafür angebrachtes Band zu erwischen, um seine Werkstatt wieder zu schließen. Was er allerdings mehrmals am Tag macht. Und wir haben jedes Mal unseren Spaß.

Gernot ist äußerst redselig und sucht ständig Kontakt. Sie kommen jedes Wochenende und jeden Urlaub hierher. (Aha.) Und stehen dann genau auf dem Platz, auf dem wir eingecheckt haben. (Sorry.) Machen sie schon seit Jahren. (Toll für euch.) Er war früher bei dem Österreichischen Bundesheer – waren tolle Zeiten. Ganz anders als heute. (Ja, ne, klar.) Alles Dinge, die wir gar nicht wissen wollen. Bis auf eine Info: Morgen kommt ihre Tochter mit ihren zwei Jungs und dann werden sie die ganze Woche gemeinsam Familiencampen. Da freuen sich Gernot und Siegried schon seit Monaten drauf. Die Jungs sind richtig tolle und aktive Kinder. Rennen rum und spielen lautstark. (Super. Danke für die Info. Schreit nach einer Planänderung.) Als Gernot uns am Spätnachmittag fragt, ob er einer von unseren großen Steinen von unserem, eigentlich seinem, Parkplatz haben kann (wir haben uns schon gewundert, warum die daliegen), teilen wir ihm mit, dass wir am nächsten Morgen weiterziehen. Er schaut uns leicht enttäuscht an und murmelt ein „Schade, ihr seid so nett.“ und verzieht sich zu Siegried. Insgeheim reibt er sich vor Freude die Hände. Sein Parkplatz wird frei.

Der nächste Morgen. Bei uns ist alles verstaut. Wir verabschieden uns von den Nachbarn. Er drückt uns schnell zwei Abschiedsgeschenke in die Hand. Für meinen Mann einen selbstgebastelten Schlüsselanhänger mit einer Munitionshülse. Ich bekomme ein selbst geklöppeltes Armband mit einem Cent-Stück-Anhänger dran. Hat er gestern Abend für uns gebastelt. Als Erinnerungsgeschenk. Wir bedanken uns artig und sprechen noch bewundernde Worte über seine handwerklichen Fähigkeiten aus. Als wir rückwärts von unserem Stellplatz fahren, lässt Gernot sein riesen Wohnmobil an. Er steuert mit Hilfe von Siegrieds Anweisungen direkt auf unseren ehemaligen Urlaubsplatz zu. So schnell können wir gar nicht schauen, ist unser Betonplatz schon wieder neu besetzt. Sie winken uns kurz und fangen sofort an sich wieder häuslich einzurichten. Stühle raus. Tisch an den gewohnten Platz. Und die Markise wird mit Hilfe von einem stabilen Band erst einmal an dem riesen Stein, der da also nicht einfach so zufällig rumliegt, befestigt – damit ihr ja kein Sturm etwas anhaben kann. (Aha – dafür war der also gedacht.) Sie haben nur drauf gewartet, dass wir wegfahren.

Irgendwie kam ich mir vor, wie in einem All-inclusive Urlaub. Totale Berechnung. Totale Taktik. Totales Selbstverständnis: „Mein Handtuch. Meine Liege. Hier lieg ich immer!“. Gibts wohl auch bei Campern: „Mein Parkplatz. Mein Stromanschluss. Mein Stein.“

Fortsetzung folgt.

PS: Wer etwas mehr über Grado und seine Bewohner erfahren möchte, sollte das Buch von Stefan Maiwald „Laura, Leo, Luca und ich“ lesen.

PS2: Und wer eine Reise  dahin unternehmen möchte, hier gibt es die passende Unterkunft (und zwar nicht auf einem Betonstellplatz).

© by Marita Matschiner

Living on the Etsch (Teil 2 Binsen-Land)

Vanlife – pic by Achim Matschiner

Eine unruhige Nacht habe ich hinter mir. Was werden wir in unserem ersten Urlaub mit und in Eda wohl alles erleben? Ich weiß so gar nicht was auf mich zukommt. Meine Gedanken und Bedenken hierzu habe ich ja bereits im ersten Teil von „Auf in das Binsen-Land“ kundgetan. Egal. Zwischendurch muss man auch mal über seinen Schatten springen und Dingen eine Chance geben. Also Augen zu und durch.

Ein Stau auf unserer geplanten Route zeigt gleich einmal die Vorteile von einem VW-Bus Urlaub: wir sind ungebunden, terminlos und völlig flexibel. Daher runter vom Highway und Richtungsänderung. Statt wie ursprünglich angedacht, nach Österreich zu fahren, landen wir in Glurns, Südtirol. Dort gibt es einen kleinen Campingplatz, der nur 5-10 Minuten zu Fuß von der City entfernt ist. Gut der Begriff „City“ ist jetzt ein bisschen übertrieben. Glurns ist ein kleines, supergemütliches Örtchen. Es bietet die Möglichkeiten und Läden, die man im Leben so braucht. Bäcker, Metzger, Eisdiele, Restaurant, Schuhladen. Und eben einen Campingplatz. Direkt an der Etsch.

Den Stellplatz dürfen wir uns selber aussuchen und wir entscheiden uns für einen leicht schattigen, etwas abgelegenen Platz. Natürlich mit schnell zu erreichenden Hygieneräumen. Zuerst der Weg zu genau diesen. Ja, das passt. Sauber. Keine Spinnweben in den Ecken. Ablageflächen für den Kosmetikbeutel und Haken für die mitgebrachten Handtücher. Kein Toilettenpapier. Aber das ist nicht tragisch. Denn als gut vorbereitete Camper haben wir ja unsere eigene, mehrlagige Rolle dabei. Und wenn ich die Wahl zwischen dem selber käuflich erworbenen, weichen Papier und dem kostenfreien, grauen, recycelten habe, weiß ich genau welches meins sein wird.

Vor dem ersten Aufbau eine kurze Abstimmungsrunde darüber, wer wofür zuständig ist. Das mündet dann auch gleich einmal in eine Mini-Diskussion. Was genau wir alles für einen Tag Aufenthalt benötigen. Und was demzufolge ausgepackt werden muss. Wo wir es sinnvollerweise auf- bzw. hinstellen. Was genau kommt aus den zwei Kisten, die in der eingebauten Truhe stehen, überhaupt zum Einsatz? Denn diese zwei Kisten sind genau genommen unsere Küche. Darin befindet sich alles, was der Mensch für Küchenaktivitäten benötigt. Geschirr, Flaschenöffner, Wasserkocher, Töpfe, Kaffee, Nudeln, Öl und zwei Dosen Thunfisch. Im aufgebauten Zustand versperrt unser Bett den Zugang zu dieser Truhe. Daher: erst grübeln – dann dübeln. In einer Beziehung ist Kommunikation ganz oben auf der To-Do-Liste. Und bei einem VW-Bus-Urlaub noch viel weiter oben! Diese Erkenntnisse haben wir schnell begriffen. Der erste Aufbau verläuft nach den anfänglichen – ich nenne es mal Herausforderungen – doch äußerst stressfrei.

Jetzt erst einmal das Ankommen und den erfolgreichen Aufbau genießen. Dazu gehört ein Glas schön gekühlter Weißwein. Denn dieser dürfte während der Fahrt, in unserer tragbaren und strombetriebenen Kühleinheit, seine richtige Temperatur erreicht haben. Gute Investition. Ach, wie schön. Ruhe, Vogelgezwitscher und eine totale Überraschung: Maikäfer-Gebrumme. Die habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Hier wimmelt es von diesen, wie ich finde, traumhaften Brumm-Käfern. Totale Kindheitserinnerung. Leider bereits fast ausgestorben. Nur nicht in Glurns. Da gibt es ganz viele davon.

Nach unserer ersten Kochaktion auf unserer neuen gasbetriebenen Kocheinheit, nehme ich den ersten wirklichen Job einer Camperfrau wahr. Ich marschiere mit den Spülutensilien und dem dreckigen Geschirr zum Geschirrwaschraum. Der Raum ist sauber, riecht nach Spülmittel und ist gekachelt. Warmes Wasser kostet 1€. Damit kann ich leben und spendiere unserem Geschirr erst einmal eine warme Dusche. Ich gehe meinem Job nach und bin begeistert, wie sich umgehend ein lockeres Gespräch mit dem Campingnachbarn entwickelt. Dieser wurde von seiner Frau verdonnert den Salat zu waschen und zu putzen. In den kommenden Stunden sehen wir ihn noch öfter. Ebenso seinen Hund. Seine Frau ward nur in der Ferne gesehen. Wie sie das Küchenhandtuch zum Trocknen über die selbst aufgespannte Wäscheleine hängt und ihre Flipflops vor dem Womo abstellt. Das lässt mein Herz doch gleich höher springen: genau so habe ich es mir vorgestellt. Totales Camping-Klischee. Amüsier!

20:00 Uhr. Der erste Camper steuert mit Handtuch und Kulturbeutel bewaffnet in Richtung Waschraum. Und schon geht die Pilgerei los. Von allen Ecken und Enden, jedes Geschlechts, jeden Alters, laufen unsere Tagesnachbarn zum Waschraum und starten die abendliche Routine. Gesicht waschen. Zähne putzen. Die Akustik, die aus dem Waschraum zu uns rüber wabert, bestätigt meine Vermutung: der Waschraum scheint das Tagblatt vom Campingplatz zu sein. Hier treffen sich alle bei Sonnenuntergang und kommen ins Gespräch. Tauschen sich über ihre Erlebnisse aus. Erzählen Witze, lachen. Selbstredend amüsieren wir uns darüber, wie unsere Vorstellungen sich von Stunde zu Stunde bewahrheiten. Gegen 22:00 Uhr sind wir die einzigen noch wachen Gäste (wir Hippies!). Nach dem stillen Besuch im Waschraum wird alles verräumt und ab in den Schlafsack. Das Sandmännchen sagt ziemlich schnell „Grüß Gott“ und nach ein paar Aufschreckmomenten á la „Was für ein Geräusch?“, „Schleicht da einer um uns rum?“ verbringen wir die erste Nacht in Eda im vollkommenem, wohltuenden Schlaf.

Einen Haken hat der nächste Morgen allerdings. Mein Mann ist Frühaufsteher (5:00 Uhr). Er lehrt den Hund aus, gibt ihm Frühstück und schickt ihn zurück ins Bett. Hierfür haben wir alles soweit bedacht: Frühstück für Hund und Hundekacktüte waren griffbereit. Nun würde sich mein Mann erst einmal einen Kaffee genehmigen. Wenn denn der Kaffee und der Wasserkocher greifbar wäre. Leider haben wir im Planungseifer wohl vergessen, diese aus einer der Kisten in der Truhe zu nehmen. Der Weg dorthin wird leider vom Bett und der schlafenden Ehefrau versperrt. Er sitzt daher mit einem käuflich erworbenen Camping-Automatenkaffee im weißen Plastikbecher (1€) vor Eda und wartet auf seine erwachende Frau. Was sie dann auch eine Stunde später tut. Während wir unseren Wunschkaffee trinken, startet die Pilgerreise aufs Neue. Schlafanzüge und bunt gemusterte Nachthemden schlürfen mit zerzausten Frisuren Richtung Waschhaus. Amüsier. Amüsier.

Nach der sorgfältigen Planung der nächsten Etappe, dem ordnungsgemäßem Abbau und der sicheren Verstauung unserer Stühle, Tisch, Wasserkocher und weiteren Dingen, sind wir startklar. Startklar unsere Erfahrungen bezüglich griffbereiter Utensilien für den nächsten Morgen, beim nächsten Halt, umzusetzen. Während wir von unserem Stellplatz fahren, der für 14 Stunden unser Garten und unsere Terrasse war, winken uns die Nachbarn vom Frühstückstisch aus zu. Sie beißen gerade in ihr selbst geschmiertes Marmeladenbrot, füllen Plastikbecher mit einer dampfenden Flüssigkeit aus einer Thermoskanne. Nette Menschen. Freundliche Nachbarn. Ganz so falsch lagen wir wohl nicht mit unseren Camping-Vorstellungen. Mal sehen, ob diese bei unserem nächsten Stopp in Italien, auch erfüllt werden. Denn: anderes Land, andere Sprache, andere Sitten. Auch andere Camper?

Fortsetzung folgt.


© by Marita Matschiner