Deko-Daumen

Gartenträumchen

Unser Gartenträumchen bei Wind und Wetter

Nach einem Ausflug zu unserer Familie schauen wir auf dem Heimweg noch kurz bei Eltern von Freunden vorbei. Wir haben uns schon fast ein Jahr nicht mehr gesehen. Ihr Haus kenne ich nur im Winter. Ich freue mich auf paar gemütliche Stunden mit ihnen im Garten.
Die Stimmung ist entspannt und mit traumhaftem Humor versehen. Die beiden werden bald zum ersten Mal Großeltern und so geht uns der Gesprächsstoff schon zweimal nicht aus. Nach einiger Zeit kümmern sich die Gastgeber um flüssigen Nachschub und ich nutze die Gelegenheit mir die Beine zu vertreten. Ich stöbere durch den Garten.

Bei der Ankunft ist er mir gar nicht aufgefallen. Was für eine Oase! Wie liebevoll alles arrangiert ist. So grün. So viele Blüten. Eine wahre Farbenpracht. Ich habe den Eindruck, die Flora ist auf ihrer eigenen Hochzeit. Prall gefüllt und in den schönsten Farben. Ein Meer von Rhododendren und Hortensien. Letztere mit Blüten so groß wie Basketbälle. Die herzlich platzierten und dekorierten Kleinigkeiten. Hier eine Holzbank mit einer Laterne inmitten von vor Kraft strotzenden Büschen. Dort eine fast von Blüten explodierende Pflanze und daneben steht eine buntgestrichene Keramikkuh. Ums Eck ist eine wahre Lavendelfarm. Ein Wunder, dass die einzelnen Stiele nicht unter dem Gewicht ihrer begehrten Frucht zusammenbrechen – dekoriert mit Laternen und Fackeln.

Ich liebe solche Gärten, die so farbenfroh, fröhlich und einfach nur schön aussehen. Diese gepflegten Büsche und Bäume, die einen zum Verweilen einladen. Ergänzt durch diese kleinen gut akzentuierten Deko-Elemente. Hier sieht man, wie viel Zeit investiert wurde und wird. Und alles lässt den riesigen grünen Daumen, das richtige Händchen und viel Liebe zum Detail erkennen. Ein unfassbar schöner Garten. Hier will man bleiben. So einen will ich auch.

Während die Gespräche voranschreiten, überlege ich, ob ich das nicht doch noch einmal versuchen sollte: meinen grünen Daumen herausfordern. In der Vergangenheit habe ich es immer wieder versucht. Leider ohne Erfolg. Und wenn, dann war selbiger nur sehr kurzweilig.

In meinem ersten Garten versuchte ich mich zu allererst an Sonnenblumen. Allerdings wurden diese niemals zwei Meter groß. Obwohl die Samenverpackung das ausdrücklich ausgewiesen hatte. Sie hatten keine Nudelteller großen Köpfe. Bei mir waren es höchstens Sonnenblümchen. Genau genommen sahen sie bei mir aus wie gelbe Gänseblümchen. Die Margeriten überlebten keine vier Wochen. Parasiten und Schleimschnecken erledigten das Thema ratzfatz. Die Tomaten waren kleine, grüne, kümmerliche, kugelähnliche Teile. Garantiert nicht zum Verzehr geeignet.

Dann kam der erste richtige gemeinsame Garten in meinem Eheleben. Nicht gerade viel Platz für Hecken, Büsche und Pflanzen. Aber für Töpfe. Finde ich eigentlich eh viel schöner. Viele verschiedene Behältnisse mit möglichst unterschiedlich großen Pflanzen und jede mit anderen Formen, Farben und Blüten.

Wir versuchten es jedes Jahr aufs Neue. Im Frühling huschte ich zu Pflanzen Kölle oder Dehner (doof das ich den MX-5 gegen einen SUV ausgetauscht habe. In den SUV passt eindeutig mehr rein). Ich gab ein Vermögen für Pflanzen, Erde und Töpfe aus. Die ersten Wochen war der Anblick fantastisch. Je länger der Sommer jedoch dauerte, desto einsamer und trauriger sahen die Pflanzen aus. Trotz regelmäßigem wässern, düngen, pflegen. Alte Blüten abschneiden und gut zureden. Keine Chance!

Wir brachten es allerdings nicht übers Herz, die Pflanzen direkt dem Kompost zukommen zu lassen. Sie bekamen alle noch eine Chance. Durften alle auf unserer überdachten Terrasse, brav vor Kälte und Schnee geschützt, überwintern. Trotz der Pflege hatte es wohl nicht sollen sein. Denn zu Beginn des nächsten Frühlings machten wir erst einmal tabula rasa und alles was echt übel aussah, wanderte direkt in die Biotonne. Bis auf die Buxbäume. Seit über 15 Jahren sind sie in meiner Obhut und wachsen und gedeihen. Freut uns natürlich. Alles andere funktioniert aber nicht. Lavendel hält durchschnittlich drei Jahre. Im zweiten Jahr sieht er in der Regel schon ziemlich erbärmlich aus. Rhododendron – eine tolle Pflanze. Nur eben nicht bei uns. Nach zwei Jahren hatte er das zeitliche gesegnet. Wir lieben Oleander. So schöne Blätter. So ein schöner Wuchs. Nur uns mag er nicht. Von ihm haben wir uns ebenfalls nach drei Jahren gemeinsamen Gartenlebens trauernd getrennt.

Wir haben es dann irgendwann aufgegeben. Allerdings bestehe ich auf Rosmarin. Leider jedes Jahr ein neuer Topf. Nur durchhalten will er nicht. Aber wir brauchen ihn einfach zum Kochen und Grillen. Außerdem lieben wir das Aroma seiner Nadeln. Einmal kurz mit der Hand durch die Pflanze gleiten und an den Händen riechen. Der Wahnsinn.

Die Hoffnung auf den grünen Daumen haben wir begraben. Wir leben nun den Deko-Daumen aus. Funktioniert auch. Hier eine Laterne. Dort ein Lampion. Eine kleine Tonfigur. Da eine Sitzmöglichkeit mit Marmortisch und Kerze. Noch eine kuschelige Decke auf den Schaukelstuhl und ganz viele Kissen auf unserem Lounge-Sofa. Macht einen Garten auch gemütlich, einladend und kuschelig.

Viele Gäste sind begeistert von unserem saugemütlichen Garten. Aber hauptsächlich genießen wir es, dort viel Zeit zu verbringen – bei Wind und Wetter. Immerhin ist es unser zweites Wohnzimmer. Und regelmäßig fängt einer von uns beiden an: wir haben so einen schönen und gemütlichen Garten.

© by Marita Matschiner

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