Zahnfee

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Zahnschönheitsprodukte

Es ist wieder soweit. Der Gang zum Zahnarzt!

Allein der Gedanke versetzt mich in Stress. Schlagartiger Schweißausbruch. Rasender Puls. Der Magen fängt umgehend an zu rebellieren.

Von Natur aus habe ich keine guten Zahn-Gene mitbekommen. Selbst meine Großeltern hatten die pure Angst in den Augen, wenn nur das Wort „Zahn“ fiel. Und natürlich habe ich diese Macke geerbt. War ja klar!

Meine Generation ist mit dem guten Glauben an die medizinische Weiterentwicklung großgeworden. Genau genommen, hoffte man bereits in den Siebzigern auf Wunderheilung. Ich werde die Worte nie vergessen: „Bis Du in unserem Alter bist, gibt es bestimmt eine ‚Zahn-wachs-nach-Pille.’“. In meiner Erziehung wanderte die Priorisierung der Mundpflege sehr weit nach hinten. Der letzte Rest positive Assoziation wurde vom Zahnarzt in der Kindheit gestohlen. Einem alkoholvernichtenden, kettenrauchenden Zahnarzt – ohne Handschuhe. Diese Kombination aus Gene, Nichterziehung und purer Angst hinterließ Spuren. Was zur Folge hatte, dass ich mit dem Thema Zahnhygiene äußerst schlampig umging. Darunter leide ich noch heute. Und wohl den Rest meines Lebens.

Es tut mir leid, ihr lieben Zahnärzte. Die meisten von euch sind bestimmt echt nett. Manche geben sich redlich Mühe, die verbreitete Angst vor dem Besuch zu nehmen. Hypnose, beruhigende Musik und bunte Bilder an den Wänden reichen nur leider nicht aus. Allein der Geruch in euren Praxen…. aber gut.

Man liegt da in diesem Stuhl, hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken. Einen Sabberlatz umgebunden, was ja schon das Schlimmste vermuten lässt (Blut, Speichel, usw.). Links und rechts stehen die Engel in munteren, lebensbejahenden Farben und halten Folterinstrumente griffbereit. Die Supernovalampe leuchtet nicht nur den Mund aus. Es fühlt sich an wie ein Eisstrahl, der bis ins Hirn vordringt. Dann fängt der Arzt an im Mund herum zu stochern. Spätestens wenn diese Aahhhhhh- und Mmmmmhhh-Laute kommen, bin ich völlig irritiert und beunruhigt. Leider trägt es nicht zu meiner Entspannung bei, wenn die Zahlen-/Buchstabenkombination startet: A7 – 3, C5 – 2. Man kann es überhaupt nicht einschätzen, was gemeint ist und was zum Henker die da über meine Zähne sagen. Sie reden doch über meine Zähne? Oder ist das ein Geheimcode für die nächste Bestellung beim Asiaten? Ist das aaahhhhh jetzt gut oder schlecht? Bedeutet das mmmhhhhh vielleicht, dass mit diesem Patienten der nächste Urlaub finanziert ist? Was ja prinzipiell nicht schlimm ist – solange ich diesen Urlaub nicht mit Schmerzen bezahlen muss.

Ich war heute bei meiner Zahnfee zur Zahnreinigung. Ich besuche sie brav regelmäßig und habe in der Zwischenzeit zumindest den Puls und die Schweißausbrüche im Griff. Der Magen dreht sich leider immer noch. Es war früh am Morgen und ich wollte es schnell hinter mich bringen. Wäre der Termin am Nachmittag oder Abend gewesen, wäre ich gestorben. Garantiert.

Heute fragte ich meine Zahnfee, was sie denn da eigentlich genau und im Detail bei der Zahnreinigung macht? Sie lächelte und erklärte mir die einzelnen Schritte. Mit dem Ding entfernt sie die Belege. Dieser Spieß macht dem Zahnstein den Garaus. Auch manchmal in den Zahntaschen – dafür gibt es aber noch dünnere Teile. Sie zeigte sie mir alle. Dann noch schnell ein bisschen Schmirgelpapier für die Zahnzwischenräume – da kommen die anderen Instrumente nicht so gut ran. Als nächstes wurden die Beißerchen poliert, damit sie schön glatt sind. Zum Abschluss noch eine Runde Fluorid.

Tarah – fertig. Und Überraschung: mir geht es jetzt besser. Nicht nur, weil ich es hinter mir habe. Mit mir wurde gesprochen. Mir wurde während der Behandlung verständlich erklärt, wozu und wieso sie dies und jenes benötigen. Was der Sinn und der Einsatz ist. Ich bin tatsächlich ruhiger. Dieses „Ich bin in guten Händen“-Gefühl konnte mir noch kein rosa Poloshirt und auch keine Pinguine an der Decke geben.

Ich hasse Zahnarztbesuche nicht mehr. Aber lieben werde ich sie wohl auch niemals. Zumindest bringe ich sie jetzt wissend und erhobenen Hauptes hinter mich und bin danach sehr stolz! Denn ich habe wieder einmal meinen inneren Schweinehund überwunden. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja doch bald die „Zahn-heile-heile-Pille“.

© by Marita Matschiner

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