Jetzt mal von Frau zu Mann

Jekyll & Hyde

Der größte Teil der Frauen schmeißen sich gerne in Schale und geben alles um zu gefallen. Als Motivation gibt es unterschiedliche Gründe. An erster Stelle steht natürlich der Mann an ihrer Seite. Viele frisch verliebte Frauen ändern Style und Bekleidungsgewohnheiten. Und das nur für den Mann ihres Herzens. Sie schlüpfen in Röcke statt Jeans und tragen halsbrecherische Absatzhöhen statt Turnschuhe. Solange sie sich nicht selber aufgeben, ist das auch völlig legitim – finde ich. Zeigt die Wertschätzung des Partners.
An zweiter Stelle: Sich selber etwas Gutes tun. Sich wohlfühlen. Attraktiv, selbstbewusst und sicher sein (siehe Blog „Spieglein Spieglein“). An Dritter Stelle kommt nun der überraschende Teil: Die Konkurrenz. Tief in ihrem Inneren, denn viele würden es niemals offen zugeben, tun sie es für andere Frauen. Zumindest für den Großteil der weiblichen Bevölkerung ist es wichtig, wie sie bei den Frauen im Umfeld ankommen und wahrgenommen werden.

Bei Männern sieht die Sache ganz anders aus. Viel einfacher und unkomplizierter.

Es gibt nur zwei Faktoren die berücksichtigt werden: a) Habe ich einen Termin bzw. was steht heute in dem Kalender und welche Bekleidung wäre angemessen? b) Ist es warm bzw. kühl genug? Ausreichend bequem, gemütlich und mit dem gewünschten Wohlfühlaspekt?

Der Mann an sich fragt nicht zwingend nach einem Dresscode. Er stellt seiner Partnerin nicht die Frage: „Schatz, was soll ich denn heute anziehen?“ Er stellt sich einfach die zwei oben erwähnten Fragen und greift an die entsprechende Stelle im Kleiderschrank. Entweder zu Hemd und Anzug (Krawatte ist heutzutage überbewertet). Oder zum Hoody und zur übergroßen, abgetragenen Jeans. Bei der Kategorie „gemütliche Klamotte“ gibt es dann auch unterschiedliche Stufen (da gehe ich jetzt lieber nicht drauf ein).

Als kleines Mädchen saß ich morgens auf dem Bett im Elternschlafzimmer und beobachtete meinen Vater wie er sich für seinen Job in Schale warf. Manchmal fragte er mich, was er anziehen soll. Worauf meine absolute Standardantwort kam:

Die flanellgraue Anzughose. Ein weißes Hemd. Das blaues einreihiges Sakko. Das mit den drei Knöpfen und dazu die weinroten Schnürschuhe. Dazu passend farblich abgestimmt der Gürtel und die Krawatte mit den blau-weinroten Streifen. Ich liebte meinen Vater in diesem Outfit. Und ich war mit zehn Jahren schon stolz wie Bolle, so einen schicken, modernen und attraktiven Vater zu haben. Anmerkung meinerseits: ja, damals war das ganz große Mode und völlig up-to-date.

Für meinen Ehemann habe ich ebenso eine Vorstellung für den perfekten Look. Eigentlich für fast jeden Mann in meinem näheren Umfeld habe ich DAS Outfit im Kopf. Leider möchten die wenigsten diese Info haben. Sie machen sich oft gar keine Gedanken, wie sie so rüberkommen und was sie mit ihrem Style aussagen wollen. Denn Gemütlichkeit, Wohlbefinden und/oder Gewohnheit stehen hier im Vordergrund. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich das ja auch verstehen.

Aber mal von Frau zu Mann: auch wir Frauen mögen es, wenn Ihr euch für uns hübsch macht. Euch dann und wann Mühe gebt. Jede Frau hat für ihren Mann, Lebensgefährten oder Freund ein Lieblingsoutfit. Eine Vorstellungen was besser zu ihm passen würde. Liebe Männer, könnt ihr zwischendurch auch mal diesen Bequemlichkeit- und den Gemütlichkeitsaspekt ad acta legen und euch für uns in Schale schmeißen? Zeigt einfach mal Mut zur Farbe. Verändert für einen Abend euren Style. Eine andere Hose, ein anderer Schnitt. Es kostet nicht viel. Nur Überwindung. Zwischendurch aus Tristesse und Langeweile ausbrechen. Für uns. Für eure geliebten Frauen.

Mein Mann fragt von Zeit zu Zeit „Schatz, was soll ich heute Abend anziehen?“ Ich sitze dann, wie damals als Kind, auf unserem Bett und gebe meine Vorstellungen und Vorschläge preis. Diese Frage ist soooo simpel. So einfach. So kurz. Aber nach der Umsetzung zaubert es mir ein Strahlen ins Gesicht. Weil ich weiß, er trägt es für mich. Er gibt sich Mühe, mir zu gefallen. Wenn ich ihm dann einen Kuss gebe und Stolz wie Bolle bin, so einen schicken, modernen und attraktiven Mann zu haben, fühlt er sich doppelt wohl. Ich glaube sogar auch ein kleines bisschen dankbar: für einen Abend aus seiner Gewohnheit ausgebrochen zu sein.

PS: Für die, die es interessiert – meine Antwort an meinen Mann lautet: Jeans, weißes T-Shirt, V-Ausschnittpullover, Sneaker oder gute Lederschnürschuh und eine vernünftige Uhr und ein Gürtel. Ein Sacko rundet das Outfit ab. Für mich sieht er darin einfach nur perfekt aus!

© by Marita Matschiner

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