Wetten, dass wir in unserem Urlaub viel Wind haben werden?

Durchpusten lassen – pic by Achim Matschiner

Und ich werde gewinnen! Denn: egal wo oder zu welcher Jahreszeit wir bisher unterwegs waren – der Mistral oder die Bora haben uns immer ein oder zwei Tage getroffen. Daher dachten wir uns dieses Jahr: stellen wir uns doch gleich darauf ein und besuchen mal den Norden. Und wenn wir gerade dabei sind, fügen wir zusätzlich noch auf unserer Liste von romantischen Urlaubszielen einen weiteren Haken hinzu. Es zieht uns nach Dänemark. Da ist es eh windig. Da gibt es, was das angeht, mal keine Überraschung.

Nun zu unserer romantischen Urlaubsvorstellung, die ungefähr so aussieht: Dünen, Sandstrände und Möwen. Heiße Schokolade mit Zimtschnecken. Milchreis und Fischfrikadellen. Jede Menge farbige Holzhäuser mit Reetdach. Lange Spaziergänge an der frischen Seeluft und sich mal richtig durchpusten lassen. Von daheim ist die Fahrt dorthin eine kleine Tortur. Trotz einer Übernachtung bei unserer Familie in Niedersachsen zieht sich die Strecke. Wohlweislich haben wir in Niedersachsen erst einmal unser Lieblingsbier eingeladen. Das gibt es nur dort. Wer also mal in der Nähe ist: Braunschweiger Feldschlösschen ausprobieren. Und bitte auch gleich eine oder zwei Kisten für uns mitbringen. Danke!

Das gemietete Holzhaus ist ein Träumchen. Schieferschwarz getüncht mit weißen Fenstern und Türen. Eine große Holzterrasse, die rund um das Haus führt. Dazu ein kleiner, aber schnuckeliger Garten. Genauso wie wir uns das vorgestellt haben. Der Strand ist nur hundert Meter zu Fuß entfernt. Die Möwen sind dort in Mengen unterwegs. Passt also schon einmal.

Der erste Einkauf erweist sich allerdings als Herausforderung. Ich verstehe kein Wort von dem, was auf den Verpackungen steht. Aber auch so gar nichts. Komme mir vor wie bei Ikea hoch zehn. (Ich weiß – Ikea ist schwedisch. Aber alle Dänen und Schweden werden mir hoffentlich verzeihen, wenn ich eine gewisse Ähnlichkeit sehe, lese und höre.)

Der erste längere Spaziergang endet erst einmal in einer Odyssee. Der Plan: am Strand entlang und durchpusten lassen. Das hat auch bis dahin ganz gut funktioniert. Wir folgen einer empfohlenen Wanderroute. Unsere Urlaubdestination zu Fuß erkunden. Alle Kleinigkeiten wahrnehmen und genießen. Auch geklappt. Unsere Hoffnung: in dem nächsten größeren Ort einen EC-Automaten aufstöbern. Wir müssen endlich irgendwie an die Landeswährung kommen. Eine Freundin hat mir freudig ihre letzten Dänischen Kronen mitgegeben. Nur mit denen war nichts zu holen. Es sind drei Konen. Drei Kronen reichen noch nicht einmal für einen Toilettengang. Aber das hatte sie bei der Übergabe bereits erwähnt – der Wert ist Peanuts. Nett war es trotzdem. Der Gedanke zählt. Während des Urlaubs sind diese drei Kronen in meiner Hosentasche – als gutes Omen quasi.

Wir sind bereits drei Stunden zu Fuß unterwegs. Ohne Wasser. Ohne Essen. Die Temperaturen liegen bei zirka 18 Grad und strahlendem Sonnenschein. Natürlich Wind. Eh klar. Endlich erreichen wir den nächsten größeren Ort, Fynshav. Dieser hat nur keine Bank. Auch keinen EC-Automaten. Von einem Restaurant keine Spur. Nur eine Döner-Imbissbude und einen Pizza-Lieferservice. Wir wollen nur noch nach Hause. Unser Held des Tages ist dann ein Busfahrer der Englisch spricht. Leider nimmt er keine EC-Karte. Auch keine Kreditkarte. Und Euro schon zweimal nicht. Dafür nimmt er uns ein Stück mit. Kostenfrei. Es bleiben uns noch zwei Kilometer zu Fuß bis zum Glück. Bis zum gemieteten Heim. Und als Sportler kann man mit dieser Distanz gut leben. Ein Klacks für uns. Dieser Busfahrer ist mein Held des Urlaubs. Von mir bekommt er einen virtuellen roten Supermann-Umhang als Auszeichnung. Der nächste Ausflug am darauffolgenden Tag geht nun wirklich in eine richtige Stadt. Dort gibt es EC-Automaten. Haben wir vorab von unserem Freund Google erfahren. Wollen einfach mal auf Nummer sicher gehen. Hier fühle ich mich auch in dem riesigen Lebensmittelladen gut aufgehoben und bin eher etwas überfordert von der europäischen Auswahl an Basislebensmitteln. Sogar unsere italienische Lieblings-Pasta-Sorte gibt es. Jetzt fühle ich mich noch wohler.

Es folgt ein Tag Flensburg. Einen Freund besuchen und ein bisschen in der Stadt bummeln. Wieder die Worte der Verkäufer und Kassierer klar und deutlich verstehen. Keine kreativen Querverweise ins Englische oder Holländische vermuten, um an eine Übersetzung zu kommen. Ja, ich weiß! Auch das gehört zum Auslandsurlaub. Aber mein Reflex mit „Sorry“ oder „Gracie“ zu antworten, bringt mir in Dänemark nur komische Blicke ein. In Flensburg gibt es dann noch die weltbesten Backfisch- und Matjessemmeln. Wir genießen diese in der Sonne direkt am Wasser auf einem Steg. Von den Möwen beäugt. Die hoffen nur darauf, dass uns etwas aus dem Brottütchen fällt. Das Ganze abgerundet mit einem Flens – Feldschlösschen gibt es hier ja nicht. Milchreis gab es noch nicht. Dafür die Zimtschnecke zum Frühstück. Sonne, Wind, Wasser, Zimtschnecke, Fischbrötchen und Möwen. Was will man mehr. Wieder ein paar Haken auf der Liste. Das wird. Auch wenn mir die Möwen hier etwas aufdringlich erscheinen. Aber gut.

Unsere morgendlichen Laufeinheiten sind geprägt von Sonnenschein, Nieselregen, Möwen auf den Feldern und jede Menge Nutztiere. Überall gibt es Kühe auf den Feldern. Pferde in allen Größen, Farben und Rassen. So schön down-to-earth. Ich entspanne völlig und erfreue mich an der Erfüllung meiner romantischen Urlaubsvorstellung.

Allerdings lerne ich zwei Sachen völlig unfreiwillig in diesem Urlaub. Zum einen sind hier Möwen überall und sie sind laut. Im Laufe der Zeit kann das ziemlich anstrengend werden. Und das Zweite ist leider eine Sache, die man nicht können muss. Die einem im Leben nicht weiter bringt. Privat und auch geschäftlich nicht. Aber ich kann das jetzt. Und wer weiß, vielleicht werde ich es irgendwann nutzen können. Ich hoffe aber ganz ehrlich – und das mit ganzer Seele und aller Inbrunst – , dass dieser Kelch an mir vorbeiziehen wird. In Dänemark gibt es noch ein weiteres Nutztier, welches im großen Stil gehalten und gezüchtet wird. Ich befürchte, ich werde diesen Geruch nie wieder vergessen. Schweinehaltung. Dieser Gestank ist das Schlimmste, was mir je begegnet ist. Es riecht so ekelerregend, dass ich darüber nachdenke meine Ernährung umzustellen. Bei dem ersten Wahrnehmen habe ich umgehend das geliebte Schweine- „Cordon bleu“ mit einem riesen roten Kreuz versehen. Ebenso bei Bratwürsten und Salami. Wenn du das Ausscheidungsergebnis von diesen süßen Tierchen mit der Steckdosennase und dem Ringelschwänzchen einmal in der Nase hast, ist es für mich erst einmal vorbei mit dem Schweinefleischgenuss. Glaubt es mir. Meine neu errungene Fähigkeit ist unter anderem mein negatives Mitbringsel aus dem romantischen Dänemark. Die Unterscheidung von Kuh-, Pferd- und Schweinemist anhand des Geruchs. Unverkennbar. Damit kann ich jetzt zu „Wetten-dass …“ gehen. Und ich würde schon wieder gewinnen.

         

         

© by Marita Matschiner

2 Gedanken zu „Wetten, dass wir in unserem Urlaub viel Wind haben werden?

  1. Ina sagt:

    Ich liebe deine Art zu schreiben! Hatte einmal mehr das Gefühl mit dabei zu sein…Dieses Mal eben im Urlaub in Dänemark! Danke für die virtuelle Reise nach Skandinavien und gute Heimreise!!

  2. OK sagt:

    Ach ja (seufz).
    Ein wenig Neid kommt schon auf.
    Aber zu all den schönen Dingen (ja, auch Bratwurst) habt ihr ja vorausschauenderweise ein lecker Feld mit genommen. In guten wie in schlechten Zeiten…..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.