Zauberhände

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Zauberhände – Danke an mein Patenkind

Für mich sind Hände unheimlich aussagekräftig und jede Hand ist von Person zu Person unterschiedlich. Da ist zum Beispiel die Handform, klein, schlank und zart oder auch breit und großflächig, die manchmal aussehen wie Klohdeckel. Auch die Finger und die Nagelform – unabhängig wie sie geschnitten oder gefeilt sind. Mal ganz von faltig oder glatt abgesehen. Ich gehöre eher zu den Menschen mit schlanken aber faltigen Händen. Dafür hat mich der liebe Herrgott jedoch mit einer schönen und guten Nagel- und Fingerform gesegnet. Meine Meinung. Und das gleicht meine Falten eindeutig aus.

Letztens fragte mich kleines Mädchen, warum ich so faltige Hände habe. Was schlagartig zur Gesichtsfarbenveränderung der Mutter führte. Ist aber gar nicht notwendig – da hat man nun wirklich keinen Einfluss drauf. Egal wie viel man cremt, einmassiert und ob die Pflegeprodukte super günstig oder in der oberen Preisklasse angesiedelt sind. Wenn die Hände einmal faltig sind, sind sie eben faltig. Punktum. Ist einfach so.

Allerdings hat man auf die Nägel und deren Form einen immensen Einfluss. Manche weiblichen Lebewesen gehen völlig eitel durch die Weltgeschichte. In den teuersten und/oder hippsten Klamotten, ergänzt mit dekorierenden Accessoires. Schaut man dann – bewundernd oder auch manchmal neidisch – genauer hin, landet man bei einem kräftigen „AUTSCH!“.
Nagel abgebrochen (gut, kann ja unterwegs mal passieren). Unförmig und abgebissen – Nagelhaut abstehend und wund! Ganz übel! Ein absolutes no go: ein abblätternder Nagellack mit dreckigen Fingernägeln. Ich glaube, diese Ladies haben seit Wochen keinen Blick mehr auf ihre Hände, geschweige denn auf ihre Nägel riskiert. Naja, konzentrieren sich ja offensichtlich auf alles andere. Da bleibt einfach keine Zeit mehr für das Aushängeschild eines jeden Menschen: die Hände.

Da verbringen diese Damen Stunden in einer Drogie oder Parfümerie um DIE richtige Farbe zu finden. In jeder Instyle und Glamour wird ausdrücklich darauf hingewiesen: „Must-Have der Saison!“ – unabhängig ob die Farbe zum Hautton oder Typen passt. Auch völlig egal, ob man in seinem Kleiderschrank etwas Passendes dazu hat. Egal. In der Zeitung und im Internet steht, diese Farbe muss hier und jetzt sein. Außerdem tragen alle Freundinnen und abgebildete VIPs ihn – ich jetzt auch. So!
Dann geht man stolz und mit einer riesigen Vorfreude nach Hause, in der Hoffnung, jetzt auch total hip und up-to-date zu sein. Man setzt sich gleich an den Tisch und fängt genüsslich an zu pinseln. Und das Ergebnis ist, im besten Fall, auch sogar ganz klasse. Farbe deckt gut ab. Keine Schlieren, keine Streifen. Und man betet, dass er richtig durchgetrocknet ist, wenn man plötzlich feststellt: der natürliche Drang der Flüssigkeitsentsorgung des Körpers ruft. Und das auch noch sehr laut.

Wenn man lange genug mit dem Trocknen der Farbe gewartet hat, geht es in der Regel auch gut aus. Fatalerweise hat man das meistens aber nur angenommen. Denn man traut sich ja auch nicht wirklich richtig zu testen, ob der Lack schon trocken ist. Oder man besser doch noch 2,5 Minuten gewartet hätte. Egal, die Blase drückt. Gut, sie hat vorher auch schon gedrückt. Aber da war der Drang der Glamor – Zugehörigkeit einfach größer und alles andere wurde geflissentlich mit dem Gedanken „wird schon gut gehen“ weggeschoben. Aber spätestens beim Öffnen des Hosenknopfes ist es dann auch schon passiert. Ein Teilabdruck des Knopfes hat sich auf dem Zeigefinger in (fast) alle Ewigkeit, in den fast trockenen Lack gedrückt. Und an der anderen Hand fehlt ein Stück der Farbe am Daumen! Nicht viel. Keinem würde es wirklich auffallen, wenn er auf die Hände schaut. Aber man selber weiß es eben. So ein Scheiß. Wenn man Glück hat, kann man nun wenigstens die Erleichterung genießen. Aber leider fluchen wir dann so laut und heftig, dass selbst Aloisius rot werden würde.

Also noch einmal von vorne. Die große Herausforderung besteht nun darin, nur die beschädigten Nägel vom Lack zu befreien. Und hierzu sei kurz bemerkt: über die Kreativität der Ausbesserungsaktion könnte ein findiger Sozialforscher eine Studie schreiben. Hier wird Frau richtig erfinderisch! Vom Wattestäbchen, was echt eine Sisyphusarbeit ist, über Gummihandschuh überstreifen und Gefahr laufen damit weitere Nägel zu ruinieren, bis hin zu einer unheimlichen Fingerfertigkeit. Denn es dürfen ja nur die geeigneten Flächen der Finger benutzt werden, um ans Ziel zu kommen. Und das Ziel heißt zum Beispiel: nur den rechten Zeigefinger und den linken Daumen vom Lack zu befreien! Die anderen acht Nägel müssen völlig unberührt bleiben und dürfen noch nicht einmal in die Nähe von dem mit Aceton durchtränkten Wattebäuschchen kommen. Aber jetzt mal unter uns: auf alle Fälle wäre  die „Tabula rasa“-Taktik zeitsparender. Auf ein Neues und alle zehn Nägel noch einmal neu. Aber nein. Natürlich nicht. Hallo, wir sind Frauen und suchen einfach nach Herausforderungen. Auch wenn eigentlich gar keine vorhanden sind, geschweige denn notwendig.  Nachdem man sich also beinahe die Finger ausgerenkt hat, sollte man den Rest Aceton auch von den betroffenen Fingern befreien. Daher kurz unter Wasser, Seife, abspülen, Handtuch, Danke. Und wieder zurück zum Tisch, auf dem alles notwendige brav aufgereiht ist: Unterlack, Farblack, Überlack. Puhhh. Also wieder von vorne. Vorteil: man braucht es ja nur bei zwei Nägeln zu tun – nicht bei allen zehn, spart Zeit.

Ist allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Denn die Trockenzeit zwischen den einzelnen Schichten ist hier nicht mit einkalkuliert. Erst den Unterlack. Fünf Minuten warten. In der Zwischenzeit könnte man tatsächlich die restlichen Nägel lackieren. Und wenn man beim Zehten angekommen ist, kann man mit der zweiten Schicht wieder bei ersten Nagel anfangen. Aber nein. Wir machen es ja kompliziert. Egal. Nur zwei Nägel. Jetzt sitzt die Künstlerin am Tisch – wedelt mit den Händen, in der Hoffnung, so trocknet der Lack schneller und gleich geht es weiter. Dann Farblack, bitte. Bei schlechter Deckung, fünf Minuten später, noch einmal Farblack. Die Zweite. Und nun der letzte, aber wichtigste Schritt: die Veredelung. Damit auch wirklich ein perfektes Ergebnis erzielt wird, muss man mindestens zehn Minuten warten. Der Job der Abschlussschicht ist es, die vorherigen drei Schichten zum Glänzen zu bringen (was sie ja eh schon tun). Glätten und füllen, und last-but-not-least, die Haltbarkeit erhöhen. Was auch super funktioniert. Nur eben nicht drei Wochen am Stück!

Egal welche Handform, Größe oder Straffheit der Haut – ein echter positiver Hingucker werden Hände erst durch gepflegte Nägel. Egal welche Farbe diese abbekommen. Klarlack, schrill und kunterbunt – gerne auch völlig natürlich ohne künstliche Nachhilfe. Ein gewisses Zeitkontingent sollte man in der Pflege einplanen, wenn es einem wichtig ist. Und nicht davon ausgehen, dass das perfekte Bild trotz Haushalts- und Gartenarbeiten, Reifenwechseln, Knabberattacken usw. für die nächsten drei Wochen anhält. Und falls völlig „überraschend“ doch nicht, annehmen, dass es eh keiner sieht. Denn mein Look und meine tollen Klamotten lenken ja eh davon ab.

© by Marita Matschiner

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